Zur Nachhaltigkeit in Unternehmen gehört auch Inklusion

Zu oft wird das Thema Nachhaltigkeit nur im Kontext von Klima- und Umweltschutz verstanden. Die Vereinten Nationen (UN) haben 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (englisch: Sustainable Development Goals = SDGs) festgehalten, zu denen auch die Unterstützung von Menschen mit Behinderung beim Zugang zum Arbeitsmarkt gehört. Die Entwicklung von dazu passenden Merkmalen und die Aufklärung geschieht anhand des Projektes JOBinklusive.

Menschen mit Behinderung beim Zugang zum Arbeitsmarkt zu unterstützen und hierbei eine produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit zu ermöglichen ist das Ziel des SDG-Ziel 8.

 

Ausgleichsabgabe statt Inklusion

Die Arbeitslosenquote unter Menschen mit Behinderung ist trotz der UN-Behindertenrechtskonvention immer noch doppelt so hoch als bei Menschen ohne Behinderung. In Behindertenwerkstätten arbeiten etwa 300.000 Menschen mit Behinderung für ein Taschengeld. Berührungsängste und Vorurteile von Seiten der Arbeitgeber*innen sowie die fehlende berufliche Qualifikation von Menschen mit Behinderung sind nur wenige der vielfältigen Ursachen.

Anstatt die gesetzlich vorgeschriebene Anzahl von Menschen mit Behinderung zu beschäftigen, bezahlen etwa 40.000 Unternehmen in Deutschland laut JOBinklusive die sogenannte Ausgleichsabgabe. Diese beträgt monatlich zwischen 125€ und 320€ pro unbesetzten Pflichtarbeitsplatz. Eine fehlende Vorstellungskraft, was Menschen mit Behinderung leisten können, oder das Unwissen über Unterstützungsmöglichkeiten sind angegeben Gründe, die Pflichtarbeitsplätze nicht zu besetzen.

„Ein Unternehmen gewinnt an Glaubwürdigkeit und Vertrauen, wenn es Diversität lebt und Menschen mit unterschiedlichsten Vielfalts-Dimensionen beschäftigt. Menschen mit Behinderung zu bedenken, trägt nicht nur zum guten Image bei, sondern auch dazu, dass eine neue Personengruppe als mögliche Beschäftigte erreicht wird und langjährige Mitarbeiter*innen gehalten werden“, heißt es auf der Projektseite.

Bereits jede*r zehnte in Deutschland lebt mit einer Behinderung (z.B. Beeinträchtigung des Hörens, Sehens, Gehens oder Lernens), 97% der Behinderungen werden im Laufe des Lebens erworben. „Insbesondere in Zeiten des Fachkräftemangels sind Menschen mit Behinderung eine wichtige Zielgruppe, die in jeder guten Recruiting-Strategie mitberücksichtigt werden sollte.“

 

Barrierefreiheit wird demnächst Pflicht

Um Diversität zu leben, bedarf es sich einer barrierefreien Umwelt. Bisher sind viele Produkte und Dienstleistungen von Unternehmen noch nicht barrierefrei nutzbar. Es fehle am nötigen Know-how, wie eine bessere Bedienbarkeit von Produkten gewährleistet, Barrieren in der Kommunikation abgebaut und Zugänge zu Gebäuden geschaffen werden kann. Die Barrierefreiheit von Gebäuden kommt aber nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern auch Eltern mit Kinderwagen und Senior*innen mit Rollatoren zu Gute. Angepasste Bildschirmarbeitsplätze helfen nicht nur Personen, die ohnehin schon Probleme mit der Wirbelsäule haben, sondern kann diese auch individuell vermeiden und präventiv wirken. So kann es das Unternehmen von langen und teuren Personalausfällen bewahren.

Inklusion und Barrierefreiheit frühzeitig umzusetzen ist nicht nur aus dem sozialen Aspekt wichtig, sondern lohnt sich für Unternehmen auch aus Kostengründen, da Barrierefreiheit in naher Zukunft verpflichtend sein wird. Die bereits 2019 beschlossene EU-Richtlinie (der European Accessibility Act = EAA) wird 2022 in nationales Recht überführt und muss ab dem 28. Juni 2025 angewendet werden. Dazu verpflichtet werden grundsätzlich alle Wirtschaftsakteure der Europäischen Union (Einführer*innen, Händler*innen, Hersteller*innen von Produkten und Dienstleister*innen). Unternehmen, die weniger als zehn Personen beschäftigen und deren Jahresumsatz 2 Millionen Euro nicht überschreitet, sind ausgenommen. In den kommenden Jahren drohen bei Zuwiderhandlung saftige Geldstrafen.

 

Sustainable Business: ganzheitliche Strukturen nötig

Mithilfe kurzfristiger Initiativen, Kampagnen oder anlassbezogener Maßnahmen lassen sich der systematische Abbau von Barrieren in Unternehmen nicht verbessern. Vielmehr bedarf es ganzheitlicher Strukturen und klarer Verantwortlichkeiten, um nachhaltige Ressourcen in Unternehmen zu mobilisieren, so JOBinklusive. Themen der Barrierefreiheit und Inklusion sollten in übergeordneten Unternehmensstrategien wie etwa „Diversity-Strategien“ oder Corporate Social Responsibility (CSR) eingebunden und fest verankert werden.

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