Mehr Treppensicherheit beim Hamburger Sportbund

Der Hamburger Sportbund ist ein freiwilliger Zusammenschluss der Hamburger Sportvereine und -verbände. Mit den rund 500.000 Mitglieder*innen in mehr als 850 Vereinen ist er die größte Community der Stadt. Die Absicht ist es, die Mitglieder*innen beim Erreichen der sportlichen und gesellschaftlichen Ziele optimal zu unterstützen.
Eine erste Unterstützungsleistung, gerade für blinde und sehbehinderte Menschen, lässt sich bereits im Gebäude finden, indem das Treppenhaus mit Aufmerksamkeitsfeldern aus weißen Noppen und weißen Stufenkantenmarkierungen auf der ersten und letzten Stufe ausgestattet ist. Zusätzlich wurden taktile Handlaufmarkierungen am Treppengeländer angebracht, durch diese ist in Brailleschrift ablesbar in welchem Stockwerk man sich befindet.

 

 

Blindenleitsystem für die Deutsche Rentenversicherung

Zu der Deutschen Rentenversicherung gehört die Deutsche Rentenversicherung Berlin-Brandenburg, ein Regionalträger für die Bundesländer Berlin und Brandenburg.

Im Rahmen des überstaatlichen Rechts der Europäischen Gemeinschaft sowie des deutsch-polnischen Sozialversicherungsabkommens vom 09. Oktober 1975 ist die Deutsche Rentenversicherung Berlin-Brandenburg die Verbindungsstelle für Polen. Als diese ist sie zuständig für Personen, die neben deutschen auch polnische Versicherungszeiten haben. Damit betreuen etwa 2.500 Mitarbeitende ca. 800.000 Renter*innen und 2,3 Millionen Versicherte.

Da im Alter die Sehkraft teilweise sehr stark abnehmen kann, ist es besonders für Renter*innen, die blind oder sehbehindert sind, wichtig, sich vor Ort gut orientieren zu können. Aus diesem Grund haben wir in am Standort Berlin ein Blindenleitsystem verlegt. Dieses besteht aus Leitlinien aus Rippen und Aufmerksamkeitsfeldern aus Noppen, die taktil erfassbar sind. Davon profitieren nicht nur die Rentner*innen, sondern alle Menschen, die an einer Sehkrankheit leiden oder blind sind.

 

Quelle.

Historisches Museum Frankfurt wird barrierefrei

Als ältestes Museum der Stadt sammelt, bewahrt, erforscht und vermittelt das historische Museum Frankfurt das kulturelle Erbe der Stadt. Damit ist das Museum ein Ort der Wissensvermittlung, kritischer Informationen, der Reflexion und Diskussion über die Frankfurter Geschichte, Gegenwart und Zukunft.

Eine zentrale Rolle dabei spielen die Punkte Multiperspektivität, Diversität und Vielfalt, die sich in Sammlungen, Ausstellungen und den Vermittlungen wiederfinden. Durch die partizipatorische und inklusive Arbeit des Museums lädt es alle in der Stadt lebenden Menschen an der Teilhabe und Mitgestaltung des Museums ein. Dabei wird Barrierefreiheit groß geschrieben, indem innerhalb der Ausstellung beispielsweise eine Beschilderung in prägnanter Schrift und Farbe als Orientierungshilfe dient und die Räume kontrastreich gestaltet sind. Weiterführend sind die Medienstationen für Menschen mit einer Sehbehinderung mit zwei übereinanderliegenden Lautsprechern ausgestattet und durch tastbare Buttons bzw. eine linsenförmige Ausfräsung in der Oberfläche des Touchscreens sowie durch eine erläuternde Ansage an den Audiostationen zugänglich.

Auch wir haben auch unter dem Aspekt der Inklusion das Museum mitgestaltet. So wurde, damit die Barrierefreiheit für blinde und sehbehinderte Menschen nicht erst in der Ausstellung beginnt, am Fuß der Freitreppe unterhalb des Museumsplatzes ein Tastmodell verlegt. Diese erste Orientierung durch den Gebäudekomplex ist ein auf dem Boden eingebundenes Blindenleitsystem, das bis zur Museumskasse führt. Weiter geht es im Inneren mit einem taktilen Leitsystem aus Noppen und Rippen am Boden, wodurch die eigenständige Bewegung durch die Ausstellungsräume möglich wird. Ergänzt wird das System durch taktile Stockwerkspläne, die zu den Objekten führen.

Weiterführende Informationen zu den Maßnahmen für blinde und sehbehinderte Museumsbesucher*innen finden Sie hier.

 

Geschichte und Gegenwart barrierefrei erleben

Intervention durch Kunst

In Potsdam befindet sich das MINSK Kunsthaus, welches am 24. September 2022 eröffnet. Eingeweiht wurden die zukünftigen Ausstellungswände aber bereits im April dieses Jahres mit den Zeichnungen des rumänischen Künstlers Dan Perjovschi. Mit diesen arbeitet er, als spontane Reaktion auf seine Umgebung, bereits seit den 1990er Jahren. Damit schreibt er durch seine Intervention schon ein Jahr vor der Eröffnung das Programm in die Wände des MINSK. Zusätzlich werden durch die auf klare Linien reduzierten Skizzen unbequeme Fragen auf humorvolle und kritische Weise gestellt, während gleichzeitig Widersprüche aufgestellt werden. Im Kunsthaus MINSK bezieht er sich auf die konkrete Situation der dem öffentlichen Blick entzogenen Baustelle. Sichtbar werden die Zeichnungen aber trotz momentan nicht betretbarer Baustelle über den FUNK.

 

Vergangenheit trifft Gegenwart

Neben dem Werk von Perjovschi zeigt das Kunsthaus Kunst aus der ehemaligen DDR im Austausch mit zeitgenössischer Kunst und anderen Disziplinen, die ab Herbst 2022 wieder ausgestellt werden. Ausgangspunkt bildet ein Bestand an Werken von Künstler*innen aus der ehemaligen DDR, welcher über Jahre aufgebaut wurde. In der Eröffnungsausstellung werden zwei Künstler aus der Sammlung Hasso Plattner präsentiert, deren Ausstellungen den Blick auf die Natur und das Potsdamer Stadtbild lenken. Für die Arbeit des MINSK soll diese Art der Gegenüberstellung von Kunstwerken aus der Sammlung und zeitgenössischen Positionen charakteristisch sein.

 

Aus Gaststätte wird Kunsthaus

Das Gebäude, in dem man heute das MISNK Kunsthaus in Potsdam findet, war früher eine Gaststätte auf dem Brauhausberg. Dieses wurde 1990 geschlossen und daraufhin zusehend vernachlässigt. Um das Gebäude vor dem Abriss zu bewahren, setzten sich die Potsdamer*innen für die Rettung des Baus ein. Um es zu bewahren und es der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen, wurde es 2019 von der Hasso Plattner Foundation erworben. Damit soll das MINSK nicht mehr nur ein Ort der Erinnerungen, sondern auch ein Ort vieler neuer Erlebnisse sein und werden.

 

Geschichte barrierefrei erleben

Um die Geschichte nicht nur den Potsdamer*innen sondern allen, die daran interessiert sind, ohne Probleme näher bringen zu können, wurde im MINSK ein Blindenleitsystem verlegt. Dieses besteht aus schwarzen Elementen, die aus Noppen und Rippen Leitlinien und Aufmerksamkeitsfelder bilden. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Architekt*innen, die für das Projekt zuständig sind und waren, wurden die Noppen als Spezialanfertigung nicht rund, sondern viereckig gefertigt. Dadurch verlieren sie ihre Wirksamkeit als Orientierungshilfe für blinde und sehbehinderte Menschen nicht und passen sich gleichzeitig sehr gut an das Gesamtbild an. Auch die Auswahl von schwarzen Elementen war nicht zufällig, denn auf dem weißen Boden bilden sie einen guten Kontrast, was es einfacher macht dieses zu erkennen, Zusätzlich dazu sehen sie stylisch und zeitlos aus. Neben dem Blindenleitsystem befindet sich an der Eingangstür des MINSK, die aus Glas besteht, ein Schriftzug, der den Namen des Kunsthauses abbildet, Auch dieser hat einem stylischen einen nützlichen Aspekt, denn dadurch wird die Glastür für blinde und sehbehinderte Menschen besser sichtbar. Diese erhöhte Sichtbarkeit ist wichtig, weil Glastüren für Menschen, die nicht und nur wenig sehen können, meist nur schwer zu erkennen sind und somit eine Gefahrenstelle für diese darstellen. Durch Markierungen kann diese Gefahrenstelle verringert werden.

 

 

Quelle: https://dasminsk.de/de/

Benrather Schulen werden neu und barrierefrei

In Benrath teilen sich die katholische Schule St. Cäcilia und die Gemeinschaftsschule Schloss Benrath das Gebäude, das für rund 19 Millionen Euro erweitert und umgebaut wurde. Grund für die Erweiterung ist die Entstehung vieler neuer Wohnviertel, weshalb neben neuem Wohnraum auch Kitas und Schulen ausgebaut werden müssen.

Bisher haben sich die beiden oben genannten Schulen ein denkmalgeschütztes Gebäude und eine Turnhalle geteilt, beides stammt aus den 1930er Jahren. Durch den Sanierungsbedarf des Gebäudes und der Technik, entschieden die Verwaltungen einen kompletten Umbau, eine Modernisierung und für den restlichen Raumbedarf eine Erweiterung, der durch einen ca. 2150 m² großen Neubau realisiert wurde.

Dieser dient nicht nur der Erweiterung der alten Gebäudeensemble und der räumlichen Trennung der beiden Grundschulen von der direkt nebenan liegenden Hauptschule, sondern auch der Vergrößerung der Klassenräume.

Nach Fertigstellung des Umbaus ist der gesamte Standort barrierefrei, womit künftig alle Geschosse des Neubaus und des Bestandgebäudes über Aufzüge barrierefrei erreicht werden. Zusätzlich wird durch das von uns verlegte Blindenleitsystem die Orientierung für blinde und sehbehinderte Menschen vereinfacht. Dieses besteht aus Leitlinien aus Rippen und Aufmerksamkeitsfeldern aus Noppen. Besonders groß sind die Aufmerksamkeitsfelder vor den Treppen. Damit wird sehenden und nicht sehenden signalisiert, dass sie sich vor einer Gefahrenstelle befinden. Somit wird das Risiko für Treppenstürze verhindert, das auch bei sehenden Menschen hoch ist, wenn beispielsweise die erste Stufe einer Treppe übersehen wird.

Für das kommende sowie viele weitere Schuljahre sind die Schulen in Benrath also bestens ausgestattet, um inklusiv zu arbeiten.

 

 

Quelle.

Neues barrierefreies Justizzentrum in Bad Kreuznach

In Bad-Kreuznach wurden rund 30 Mio. Euro dafür investiert, dass die bisher auf mehrere Gebäude verteilten Gerichte, die Staatsanwaltschaft und die Bewährungshilfe in einen Neubau im Gewerbepark General Rose zusammengeführt werden. Die Zielsetzung der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) lag darin, ein zeitgemäßes Gebäude für die Rechtsausübung zu erreichten und gute Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter*innen zu schaffen.

Nach mehr als drei Jahren Bauzeit wurde das neue Justizzentrum am 25. September 2017 eröffnet. Zur Berücksichtigung der Bedürfnisse der Prozessbeteiligten und Besucher*innen wurden im Erdgeschoss des fast quadratischen, rund 55 Meter langen Komplexes sowie in Teilen des 1. OG die öffentliche Räume angeordnet. Der rund 145 m² Raumfläche fassende Schwurgerichtssaal befindet sich mit drei je 80 m² großen und vier je 40 m² großen Gerichtssälen im EG. Sechs weitere Gerichtssäle mit ebenfalls je 40 m² befinden sich im 1. OG. Als Wartezonen für Besucher*innen wurden vor den Verhandlungssälen breite Flure angelegt.

Um auf diesen breiten Fluren auf dem Weg zu den jeweiligen Gerichtssälen nicht die Orientierung zu verlieren, haben wir im Justizzentrum ein Blindenleitsystem verlegt. Dieses besteht aus Messing-Elementen, die auf dem dunklen Boden einen guten Kontrast herstellen. Außerdem wird durch große Aufmerksamkeitsfelder vor den Treppen auf eine Gefahrenstelle, auch für sehende Menschen, hingewiesen und das Risiko von Treppenstürzen verringert.

 

 

Quelle

01.06.: Internationaler Kindertag

Neben Mutter- und Vatertag, die im Mai gefeiert werden, wird im Juni der Internationale Kindertag gefeiert. Am 20. September folgt dann der Weltkindertag.

Warum gibt es zwei Termine? Der Internationale Kindertag wurde 1948 von den Mitgliedsstaaten der Sowjetunion ins Leben gerufen, während der Weltkindertag 1954 von der UN ins Leben gerufen wurde. Der ältere der beiden Feiertage wird vor allem in östlichen Ländern gefeiert, in westlichen Ländern ist der Weltkindertag bekannter. Durch die jahrzehnte lange Spaltung Deutschlands in BRD und DDR sind hier beide Feiertage bekannt. Weil in der DDR der Internationale Kindertag gefeiert wurde und in der BRD der Weltkindertag wird auch nach der Wiedervereinigung in den östlichen Bundesländern eher der 01. Juni gefeiert, während in den westlichen eher der 20. September gefeiert wird.

Warum wird gefeiert? Neben Freundschaften zwischen Kindern stehen an diesem Tag die Rechte und Bedürfnisse der Kinder im Vordergrund. Nach unserer Auffassung spielen hier Inklusion und Barrierefreiheit eine große Rolle.

Warum inclusion? Für die Barrierefreiheit in Schulen haben wir uns bereits stark gemacht, weshalb wir uns mit einer neuen Broschüre dem Thema Kindertagesstätten und Kindergärten widmen, denn Kitas und Kindergärten stellen sich darauf ein, Kinder in all ihrer Verschiedenheit zu unterstützen und zu fördern. Eine wichtige Grundlage dabei ist das Herstellen einer barrierefreien Umgebung. Für Eltern und Kinder ist es wichtig, dass diese barrierefreie Umgebung frühzeitig vorhanden ist – im besten Fall von Anfang an, damit es nicht die Einschränkungen eines Kindes sind, die im Vordergrund stehen. Außerdem haben Eltern die Gewissheit, dass ihr Kind auch dann unterstützt wird, wenn eine Einschränkung plötzlich auftritt, beispielsweise als Folge eines Unfalls.

 

 

Für die Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in der Kindergartenbetreuung, mit dem Schwerpunkt auf einer qualitativ hochwertigen, ganztägigen Betreuung, gibt es seit Januar 2019 das Gute-Kita-Gesetz. Unter anderem zählen die Ausstattungsinvestitionen, die der gesundheitlichen Versorgung, Maßnahmen der Inklusion sowie der Förderung der sprachlichen Bildung dienen, zu den Förderzielen. Kindergerechte Räume, die allen Kindern gerecht werden, und Außenflächen sowie eine vielfältige pädagogische Arbeit zählen zu den Handlungsfeldern, die bezüglich der Barrierefreiheit und Inklusion besondere Relevanz besitzen. Außerdem sind die Handlungsfelder gesundes Aufwachsen, betrifft neben der gesunden Ernährung und Gesundheitsausbildung auch die Bewegungsförderung, und sprachliche Bildung zu berücksichtigen.

Auch für Eltern mit Behinderung muss ein barrierefreier Zugang möglich sein.

Über Fördermöglichkeiten und die einfache Umsetzung informieren wir in der beiliegenden Broschüre: Flyer Kita

 

Quelle

 

Bahnhof Siegen wird barrierefrei

Nachdem wir uns bereits für die Barrierefreiheit in der Uni Siegen eingesetzt haben, wurde auch der Bahnhof in Siegen barrierefrei. Auf den Gleisen 1, 2, 3, 4, 54 und 55 gibt es einen stufenfreien Zugang, eine Bahnsteighöhe von >= 55 cm, einen Zuganzeiger, eine Lautsprecheranlage, einen taktilen Weg zum Bahnsteig, ein taktiles Leitsystem auf dem Bahnsteig, Treppenstufenmarkierungen und eine kontrastreiche Wegleitung.

Der stufenfreie Zugang ist besonders für Menschen wichtig, die im Rollstuhl sitzen. Zusätzlich dazu ist dieser aber auch von Vorteil für Mütter, Väter oder Großeltern mit einem Kinderwagen oder Menschen mit einem Rollator. Die Bahnsteighöhe gleich oder höher als 55 cm gewährt den barrierefreien Zugang zu den Bahnen. So können Menschen im Rollstuhl, mit Kinderwagen oder mit einem Rollator ohne großen Aufwand die Bahn betreten. Wäre der Bahnsteig ebenerdig, wäre beispielsweise eine Rampe erforderlich, damit die Stufen überwunden werden können. Zuganzeiger und eine Lautsprecheranlage sind besonders für Menschen wichtig, die blind sind oder einer Sehbehinderung leiden, denn es reicht nicht aus, ein taktiles Leitsystem auf dem Bahnsteig zu verlegen. Ein taktiles Leitsystem ist zwar sehr wichtig für blinde oder sehbehinderte Menschen, damit sich diese orientieren können, zum richtigen Gleis finden und vor Stürzen bewahrt werden, bringt aber wenig, wenn Ansagen fehlen. Nur durch die Lautsprecheranlagen können nicht sehende Menschen sicher gehen, dass sie am richtigen Gleis stehen, auf den richtigen Zug warten oder durch Verspätungen o.ä. auf ausweichende Züge ausweichen müssen. Um das Risiko von Treppenstürzen zu verhindern, wurden die Treppen mit Treppenstufenmarkierungen ausgestattet. Auch hier liegen die Vorteile klar auf der Hand, denn diese sind ebenfalls nicht nur für blinde oder sehbehinderte Menschen sinnvoll. Treppenstufenmarkierungen verringern auch bei Menschen mit normalem Sehvermögen das Risiko eines Sturzes, indem durch kleine Rillen ein zusätzlicher Halt gegeben wird. Gerade an regnerischen Tagen, an denen die Sohlen der Schuhe nass sind, kann es häufig dazu kommen, dass man über die Treppenstufen stürzt. Durch Treppenstufenmarkierungen wird dieses Risiko verringert.

Das taktile Leitsystem besteht aus unterschiedlich großen Aufmerksamkeitsfeldern aus schwarzen Noppen und Leitlinien aus schwarzen Rippen. Durch die dunkle Farbe der Elemente auf dem hellen Boden entsteht ein guter Kontrast, der blinden und sehbehinderten Menschen die Orientierung zusätzlich erleichtert.

Barrierefrei studieren

Am vergangenen Montag, den 04.04.2022 hat an den Universitäten die Vorlesungszeit des Sommersemesters angefangen. Auch an der Universität Siegen startete nach vier Semestern, die entweder komplett online oder in einem Hybrid-System gehalten wurden, erstmals nach dem Start der Corona-Pandemie wieder die Lehre in Präsenz.

Für viele der 18.000 Studierenden ist es das erste Mal, dass sie nach zwei Jahren die Uni von innen und damit ihre Kommiliton*innen, Dozent*innen und Profesor*innen live sehen. Neben der Vorfreude darüber, endlich (wieder) in die Uni gehen zu können und damit einen Teil Normalität im Studierendenleben zu erhalten, zieht die Präsenz-Lehre aber auch Probleme mit sich, die es vorher nicht gab. An einer großen Uni wie Siegen, mit 5 Fakultäten, die nicht alle am gleichen Campus liegen, kann es gerade für Studierende, die bisher noch nie in der Uni waren, schwierig sein sich zu orientieren. Ist das richtige Gebäude gefunden, muss zusätzlich der passende Raum gefunden werden, was beim ersten Mal in der Uni schwierig sein kann. Besonders für blinde und/oder sehbehinderte Studierende, aber auch blinde und/oder sehbehinderte Dozierende, Besuchende, Angestellte etc. stellt diese Aufgabe eine große Schwierigkeit dar.

Um den Betroffenen diese Schwierigkeit zu nehmen und die Orientierung in den Gebäuden zu erleichtern, haben wir in der Uni ein Blindenleitsystem verlegt. Dieses besteht aus Leitlinien aus Rippen und Aufmerksamkeitsfeldern aus Noppen-Platten. Die Farben wurden an das bereits vorhandene Farbkonzept angepasst, womit das System nicht nur nützlich ist, sondern auch stylisch aussieht. Zusätzlich zu dem auf dem Boden verlegten System wurden an den Glastüren Markierungen angebracht. Diese hängen auf verschiedenen Höhen und sorgen dafür, dass auch blinde und sehbehinderte Menschen die Türen erkennen, denn Glas ist für diese Menschen quasi unsichtbar. Als letztes wurden die Treppen mit Stufenmarkierungen ausgestattet. Das kommt nicht nur blinden und sehbehinderten Menschen zugute, sondern auch Menschen, die nicht an einer Sehkrankheit erkrankt sind. Der Grund: Stufenkantenmarkierungen verringern das Sturzrisiko, indem durch die enthaltenen Rillen zusätzlicher Halt gegeben wird. Weitere Informationen zu Treppenstürzen und deren Prävention finden Sie hier.

 

 

Selbstbestimmte Sexualität und Familienplanung von Frauen mit Behinderung

Forderung eines inklusiven Gesundheitswesens zum Internationalen Frauentag

Zum Internationalen Frauentag am 08. März fordert das Deutsche Institut für Menschenrechte ein inklusives Gesundheitswesen. Dieses soll es Mädchen und Frauen mit Behinderung ermöglichen selbst über ihren Körper, ihre Sexualität und ihre Familienplanung bestimmen zu können.

Laut Statistischem Bundesamt leben in Deutschland rund fünf Millionen Frauen mit Behinderung in Privathaushalten und etwa 80.000 in stationären Wohneinrichtungen der Behindertenhilfe, was etwa 12% der weiblichen Bevölkerung entspricht. Zwar fehlen genaue Zahlen zu Elternschaft, Verhütung, Sterilisation und Abtreibung, trotzdem machen Frauen mit Behinderung in diesen Bereichen häufig Diskriminierungserfahrungen.

 

Diskriminierung von Mädchen und Frauen mit Behinderung

„Die UN-Behindertenrechtskonvention garantiert die sexuellen und reproduktiven Rechte für Mädchen und Frauen mit Behinderungen. Sie erleben jedoch eine Vielzahl an Diskriminierungen. Diese beginnen bereits beim Weg in die gynäkologische Praxis, die oftmals schon baulich nicht barrierefrei zugänglich sind. Hinzu kommen kommunikative und strukturelle Barrieren, wenn zum Beispiel Informationen zu Verhütung und Elternschaft nicht in Leichter Sprache vorliegen und das medizinische Personal nicht zu den spezifischen Bedarfen von Menschen mit Behinderungen geschult ist“, erklärt Britta Schlegel, Leiterin der Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention des Instituts.

Weiterführend sagt Schlegel: „Es gibt viele gesellschaftliche Vorurteile und es wird Frauen mit Behinderungen oftmals nicht zugetraut, dass sie gute Eltern sein können“, denn auch über Familiengründung und Elternschaft können Frauen mit Behinderung häufig nicht selbstbestimmt entscheiden. Dabei haben Menschen mit Behinderung das gleiche Recht Eltern zu werden wie andere auch. Es fehle vorallem an sozialrechtlicher Beratung über die Möglichkeiten zur Unterstützung der Elternschaft sowie an entsprechenden Angeboten vor Ort.

 

Umsetzung des barrierefreien Gesundheitswesen

Folglich fordert Schlegel die Bundesregierung auf, die flächendeckende barrierefreie gynäkologische Versorgung von Frauen und Mädchen mit Behinderung zu einem Schwerpunkt des angekündigten Aktionsplans für ein diverses, inklusives und barrierefreies Gesundheitswesen zu machen.

Um diese Forderung zu erfüllen ist ein Blindenleitsystem ein erster Schritt in die richtige Richtung. Dieses hilft blinden und sehbehinderten Menschen dabei sich vor Ort und ohne die Hilfe anderer zu orientieren. Unser System kann ohne großen Aufwand verlegt werden, ohne es von Anfang an einzuplanen. Die große Farbpalette ermöglicht es, die Elemente an ein bereits vorhandenes Farbkonzept anzupassen. Durch die intensive Zusammenarbeit mit renommierten Kunststoff- und Klebemittelhersteller*innen muss der vorhandene Untergrund nicht entfernen werden, sondern dient als Trägerschicht für das Leitsystem. Sowohl in Gebäuden als auch im Außenbereich haften die Komponenten auf nahezu jedem Untergrund gleich gut (Teppich, PVC, Stein etc.). Letztlich profitieren alle Nutzer von unserem Leitsystem, das auch einen wichtigen Beitrag zur Sturzprävention und Unfallverhütung leistet.

 

Quelle.