Erstes barrierefreies Testzentrum

In Bonn-Mehlem werden neue Maßstäbe gesetzt
Bonn 01.06.2021, Testzentren gibt es mittlerweile viele, aber die wenigsten sind bislang barrierefrei. Das neue Testzentrum in der Mainzer Straße 151 im Bonner Ortsteil Mehlem setzt nun neue Maßstäbe, da die Belange von Menschen mit Behinderung umfassend berücksichtigt werden. „Uns ist wichtig, dass auch Menschen mit Einschränkungen unsere Testmöglichkeiten einfach und sicher nutzen können“ sagt der Leiter des Testzentrums Johannes Bongartz. „Leider wird diese Personengruppe in unserer Gesellschaft häufig nicht hinreichend berücksichtigt – das wollen wir besser machen.“ Vor der Eröffnung des Testzentrums wurde neben der Rampe für den rollstuhlgerechten Zugang auch ein taktiles Leitsystem für blinde und sehbehinderte Menschen verlegt.

Barrierefreie taktile Markierungen sorgen für Abstand und Sicherheit
Bisher wurden Abstandsmarkierungen auf dem Boden vor allem eingesetzt, um die Diskretion zu wahren, etwa in Banken, Arztpraxen, Krankenhäusern oder an Schaltern und Automaten. Mit der Pandemie sind eineinhalb bis zwei Meter Abstand zur nächsten Person zur Regel geworden, um einer Infektion vorzubeugen – und das dauerhaft in jeder Verkaufs- und Beratungssituation. In öffentlichen Gebäuden, Geschäften und Supermärkten sind oft Markierungen aus Klebeband zu finden, die aber in der Regel nur kurze Zeit haften bleiben. Sie sind zudem durch Schmutz und Sohlenabrieb nach einiger Zeit kaum noch zu erkennen. Für blinde und sehbehinderte Menschen sowie ältere Menschen, bei denen die Sehkraft nachgelassen hat, sind Abstandsmarkierungen aus Klebeband häufig gar nicht erkennbar. Entsprechend haben diese Personengruppen Probleme dabei, den Mindestabstand richtig einzuschätzen. Die Lösung besteht im Einsatz von taktilen Markierungen, die bei einer Höhe von drei Millimetern mit den Füßen und dem Einkaufswagen wahrgenommen werden können, gleichzeitig aber flach genug sind, um nicht zur Stolperfalle zu werden.

Erfahrener Partner
Seit vielen Jahren entwickeln und produzieren wir, die inclusion AG aus Wesseling, taktile Markierungen (Bodenindikatoren), die als Bestandteil taktiler Leitsysteme blinden und sehbehinderten Menschen sichere Orientierung geben. Als Fachbetrieb für Barrierefreiheit bieten wir eine Vielzahl an Lösungen, damit alle barrierefreien Maßnahmen einfach, schnell und kostengünstig umgesetzt werden können. „Mit taktilen Markierungen lassen sich auch Farbleitkonzepte einfach und konsequent umsetzen“, sagt Markus Georg, Vorstandsvorsitzender der inclusion AG, und ergänzt: „Laufwege können zum Beispiel mit Leitstreifen in grüner Farbe gekennzeichnet werden, Wartezonen mit Gelb und mit Rot sensible Zonen oder Sperrbereiche, um den Besuchern eine intuitive Wegeführung anzubieten.“

Mangelnde Barrierefreiheit ist Diskriminierung
Menschen mit Einschränkungen haben das Recht auf umfassende Teilhabe. Die Forderung danach ist ein notwendiger Schritt in Richtung Inklusion. Obwohl in Deutschland bereits im März 2009 das von den Vereinten Nationen drei Jahre zuvor verabschiedete „Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderung” (UN-BRK) in Kraft getreten ist, gibt es in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens noch erheblichen Nachholbedarf in Hinblick auf die allgemeinen Grundrechte. Eine wesentliche Forderung ist, dass alle öffentlich zugänglichen Bauten gemäß der UN-Konvention barrierefrei herzustellen sind. Dabei werden für Menschen mit Behinderung keine Sonderlösungen gefordert. Das Ziel sollte ein „Design für Alle“ sein, das die Nutzung für alle Personen ermöglicht – ohne individuelle Anpassung oder besondere Assistenz.
Im Rahmen der Maßnahmen gegen Covid-19 wurden bzw. werden bundesweit Impf- und Testzentren eingerichtet und betrieben. „Um allen Menschen einen gleichberechtigten Zugang zu ermöglichen, muss die barrierefreie Erreichbarkeit, Zugänglichkeit und Nutzbarkeit dieser Impfzentren gewährleistet sein“, so die Forderung von EDAD – Design für Alle Deutschland e. V.
EDAD begrüßt grundsätzlich, dass die Handlungsempfehlung „Hinweise für die Einrichtung und den Betrieb barrierefreier Corona-Impfzentren“ von der Bundesfachstelle Barrierefreiheit verfasst wurde. Eine Arbeitsgruppe der EDAD hat diese Anleitung um wichtige Ergänzungen erweitert und Aspekte des Designs für Alle kommentiert. Die Informationen sind abrufbar unter www.design-fuer-alle.de/barrierefrei-zugaengliche-impfzentren-im-design-fueralle. Wünschenswert wäre es, wenn sich alle Impf- und Testzentren mit diesem wichtigen Thema beschäftigen würden.
Das Testzentrum ist an Werktagen von 8.00 – 20.00 Uhr geöffnet und mit dem ÖPNV unkompliziert zu erreichen. Details unter www.smartcovid.de

 

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