Barrierefrei studieren

Am vergangenen Montag, den 04.04.2022 hat an den Universitäten die Vorlesungszeit des Sommersemesters angefangen. Auch an der Universität Siegen startete nach vier Semestern, die entweder komplett online oder in einem Hybrid-System gehalten wurden, erstmals nach dem Start der Corona-Pandemie wieder die Lehre in Präsenz.

Für viele der 18.000 Studierenden ist es das erste Mal, dass sie nach zwei Jahren die Uni von innen und damit ihre Kommiliton*innen, Dozent*innen und Profesor*innen live sehen. Neben der Vorfreude darüber, endlich (wieder) in die Uni gehen zu können und damit einen Teil Normalität im Studierendenleben zu erhalten, zieht die Präsenz-Lehre aber auch Probleme mit sich, die es vorher nicht gab. An einer großen Uni wie Siegen, mit 5 Fakultäten, die nicht alle am gleichen Campus liegen, kann es gerade für Studierende, die bisher noch nie in der Uni waren, schwierig sein sich zu orientieren. Ist das richtige Gebäude gefunden, muss zusätzlich der passende Raum gefunden werden, was beim ersten Mal in der Uni schwierig sein kann. Besonders für blinde und/oder sehbehinderte Studierende, aber auch blinde und/oder sehbehinderte Dozierende, Besuchende, Angestellte etc. stellt diese Aufgabe eine große Schwierigkeit dar.

Um den Betroffenen diese Schwierigkeit zu nehmen und die Orientierung in den Gebäuden zu erleichtern, haben wir in der Uni ein Blindenleitsystem verlegt. Dieses besteht aus Leitlinien aus Rippen und Aufmerksamkeitsfeldern aus Noppen-Platten. Die Farben wurden an das bereits vorhandene Farbkonzept angepasst, womit das System nicht nur nützlich ist, sondern auch stylisch aussieht. Zusätzlich zu dem auf dem Boden verlegten System wurden an den Glastüren Markierungen angebracht. Diese hängen auf verschiedenen Höhen und sorgen dafür, dass auch blinde und sehbehinderte Menschen die Türen erkennen, denn Glas ist für diese Menschen quasi unsichtbar. Als letztes wurden die Treppen mit Stufenmarkierungen ausgestattet. Das kommt nicht nur blinden und sehbehinderten Menschen zugute, sondern auch Menschen, die nicht an einer Sehkrankheit erkrankt sind. Der Grund: Stufenkantenmarkierungen verringern das Sturzrisiko, indem durch die enthaltenen Rillen zusätzlicher Halt gegeben wird. Weitere Informationen zu Treppenstürzen und deren Prävention finden Sie hier.