Aus Modehaus wird Museum

Das Kölnische Stadtmuseum sammelt seit der Gründung 1888 Objekte zur Geschichte Kölns vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Ziel dabei ist es das reichhaltige historische Erbe der Stadt mit Ausstellungen und Vermittlungsangeboten für heutige und zukünftige Generationen zu erhalten. Bis 2021 gelegen in der Zeughausstraße zieht es jetzt in das ehemalige Modehaus Franz Sauer, wo es voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2022 neu eröffnet wird.

Das Familienunternehmen Franz Sauer wurde 1842 gegründet. 1986 wurde das Modekaufhaus gebaut, bis zur Geschäftsaufgabe 2016 wurde auf fünf Etagen hochpreisige Damen- und Herrenmode des renommierten Bekleidungsgeschäft angeboten. Doch nicht nur das Warensortiment zeichnete sich durch Luxus und Eleganz aus: das Modehaus ist durch Architektur und eine Innenausstattung mit hochwertigen Materialien ein wichtiges Beispiel für den opulenten Charme postmoderner 1980er-Jahre-Architektur.

 

Museumskonzept

Neben dem Standort wird zusätzlich das Museumskonzept geändert. Durch die innovative Dauerausstellung wird die Geschichte der Stadt Köln mit all ihren Facetten, Widersprüchen und unterschiedlichen Perspektiven ganz neu erzählt. Dabei wird neben der Vergangenheit auch die Gegenwart und Zukunft der Stadt in den Blick genommen. Ziel ist es das Museum zu einem lebendigen, offenen Ort der Begegnungen und der Diskussion für alle Kölner*innen und Tourist*innen zu machen.

Das innovative Ausstellungskonzept wird barrierefrei, offen, divers, partizipativ, modern und überraschend. Dafür arbeitet das Museumsteam gemeinsam mit einem international renommierten Gestaltungsbüro aus Berlin an der neuen Dauerausstellung. Außerdem soll das neue, zukunftsorientierte Konzept den Ruf Kölns als innovative Kulturhauptstadt unterstreichen.

Durch besondere Inszenierungen, eingängige Ausstellungstexte, digitale Angebote und taktile Objekte zum Anfassen wird die Geschichte der Stadt zeitgemäß präsentiert und der Museumsbesuch zu einem besonderen Erlebnis gemacht. Zusätzlich wird die Stadtgeschichte durch moderne Vermittlungsformen und digitale Installationen interaktiv erfahrbar gemacht.

 

Barrierefreiheit

Um die Ausstellung barrierefrei zu gestalten wurde ein taktiles Leitsystem benötigt, welches durch uns verlegt worden ist. Dafür wurde auf schwarze Elemente gesetzt, die sich sehr gut dem Farbkonzept anpassen. Beim Bau des Modehauses wurde vor allem auf Fliesen in weiß bzw. aus Marmor mit schwarzen und goldenen Highlights gesetzt. Rippen und Noppen in schwarz sehen somit nicht nur stylisch aus und passen sich an das Farbkonzept an, sie bilden außerdem einen guten Kontrast auf dem hellen Untergrund.

Große Aufmerksamkeitsfelder kommen vor allem im Treppenhaus zum Einsatz. Das Treppenhaus im Modekaufhaus wird gebildet aus einer zentralen Rundtreppe, die die fünf verschachtelten Etagen verbindet. Durch die Aufmerksamkeitsfelder werden blinde und sehbehinderte Menschen auf das folgende Hindernis aufmerksam gemacht. Zusätzlich wurden jeweils die erste und letzte Stufe der Treppen markiert. Durch die Treppenkantenmarkierungen wird das Hindernis eines Treppensturzes zusätzlich verringert. Das bietet nicht nur blinden und sehbehinderten Besucher*innen einen Vorteil, sondern auch normal sehenden Menschen, bei denen es auch oft zu Unfällen auf Treppen kommt.

Neben der Markierung von Gefahrenstellen wie Treppen und der Markierung des Weges durch Rippen und Noppen wurden Glasmarkierungen an den Türen angebracht. Glaswände und -türen stellen besonders für blinde und sehbehinderte Menschen eine Gefahrenstelle dar, denn Glas ist für sehbehinderte Menschen quasi unsichtbar. Abhilfe schaffen Glasmarkierungen auf verschiedenen Höhen, die den von einer Sehbehinderung betroffenen Menschen dabei helfen, die Türen zu erkennen. Auch diese passen sich farblich und gestalterisch an das Gebäude an.

 

 

Stadtgeschichte im Schnelldurchlauf

Anhand der Highlights der Museumssammlung findet im Auftaktraum ein chronologischer Rundgang von der Römerzeit bis heute statt. Das historische Stadtmodell Kölns, das die Stadt im 16. Jahrhundert zeigt, zählt zu den Höhepunkten. Ergänzt wird es durch spannende digitale Zusatzinhalte. Zusätzlich werden der Verbundbrief, das Stadtsiegel von 1268/69 und aktuelle Objekte zur Corona-Pandemie ausgestellt. Damit soll den Besucher*innen die Möglichkeit geboten werden die Grundzüge der Kölner Stadtgeschichte in einem dreißig-minütigen Schnelldurchlauf kennenzulernen.

Im Foyer zeigt der “Open Space” das Stadtmuseum noch mehr als ein offenes und partizipatives Museum, das auch als diskursives Forum dient und agiert. Zusammen mit externen Partner*innen werden kleine Ausstellungen präsentiert, die einen unmittelbaren Bezug zur Gegenwart haben. Ziel ist es aktuelle Themen und Fragestellungen der Stadtgesellschaft gemeinsam mit Kölner*innen zu erörtern und zu diskutieren.

 

Emotion und Reflexion

Als idealer Einstieg und Ausgangspunkt für die weiteren individuelle Entdeckungstour durch die acht epochenübergreifenden Frageräume dient der Auftaktraum. Die Frageräume bilden den Kern des innovativen Präsentationsansatzes. Anhand verschiedener Emotionen (Liebe, Wut, Lust, Angst, Hoffnung, Bewegung, Glaube und Verbindung) wird dort die Geschichte der Stadt erschlossen. Neben Religion und Ideologie werden unter der Frage: “Woran glauben wir?” auch Themen wie Geld und Fußball behandelt. Ein Bogen von Kriegen und der NS-Zeit bis hin zu aktuellen Ereignissen wie dem Attentat in der Keupstraße wird in dem Raum “Was macht uns Angst”? geschlagen. Sexualität in unterschiedlichsten Jahrhunderten sowie die Geschichte der Kölner Unterhaltung vom mittelalterlichen Tanzbären in der Altstadt bis zu den Rock-Clubs in den Industriebrachen der späten 1980er-Jahre wird in dem Raum “Worauf haben wir Lust?” thematisiert. Um Besucher*innen in die emotionalen Welten eintauchen zu lassen wird auf gezielt eingesetzte Farb- und Oberflächengestaltung sowie stimmungsvolle Lichtinszenierung gesetzt.

Reflexionsräume zu Beginn jedes Frageraums stimmen sehr persönlich auf die Themen ein und erlauben es Besucher*innen, sich selbst mit den jeweiligen Fragestellungen auseinanderzusetzten. Dafür werden von “Köln-Expert*innen” stammende Objekte und Geschichten gezeigt.

 

 

Quellen: stadt-geschichte und koelnisches-stadtmuseum